Delegationsreise 6.-20. April 2026 Konzerte der Freundschaft

6./7. 4. - Beginn

Der Beginn unserer Reise hätte kaum schöner sein können.
Am 6. April starteten unsere Delegationsreise bestehend aus Präsident David Jakob Schläger, Ehrenpräsident Kurt Karst, Vizepräsident ZHU Yabo, Pianist Franziskus Baum und Vereinsmitglied Paul Hielscher am Frankfurter Flughafen Richtung Beijing – voller Vorfreude auf die kommenden Tage. Gemeinsam haben wir auf den Geburtstag von David angestoßen und dann den gemütlichen Flug von Air China genossen.
Nach einem kurzen Weiterflug erreichten wir am Morgen des 7. Aprils schließlich Xi’an, wo wir sehr herzlich von unserem Freund und Partner WANG Yubin empfangen wurden. Nach der langen Reise tat ein kurzer Mittagsschlaf gut – vielleicht dem ein oder anderen ein klein wenig zu gut, denn wir kamen etwas verschlafen zu unserem nächsten Termin😅

Am Nachmittag besuchten wir die historische Universität in Xi’an. Besonders beeindruckend war die Architektur und die Einführung in die konfuzianische Lehre: Eine sehr klare, moralisch geprägte Sicht auf das Zusammenleben der Menschen – mit dem Gedanken, dass wir letztlich alle miteinander verbunden sind und füreinander Verantwortung tragen. Ganz im Sinne von „people to people“!

Am Abend folgte ein gemeinsames Dinner mit Vertreterinnen und Vertretern der Shaanxi People’s Association for Friendship with Foreign Countries (SPAFFC), darunter Ban Hui (Secretary General) und Ruby Guo (Office of Foreign Affairs of Shaanxi). Ein sehr wertvoller Austausch in herzlicher Atmosphäre.

Den Tag ließen wir schließlich entspannt ausklingen – gemeinsam mit unserer Freundin Ziwei Yu, Sopranistin. Chinesisches Jasminbier, Rosenbier und Franziskanerweizen wurden sich genehmigt, um gemütlich in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen. Ein erster Tag voller Begegnungen, Eindrücken und Vorfreude auf das, was kommt.

8.4. - Xi'An

Der 8.4. begann mit einem frühen Besuch am Morgen der beeindruckenden Terrakotta-Armee – ein Ort, der nicht nur historisch fasziniert, sondern auch durch seine schiere Größe und Detailtiefe beeindruckt.

Ein eindrucksvoller Auftakt in den Tag mit der Sängerin YU Ziwei, die im Oktober 2025 gemeinsam mit Franziskus und David in Mainz und Kelkheim konzertierte.
Im Anschluss fand an der Shiyou University ein offener Gesangskurs von David Jakob Schläger statt. In konzentrierter, aber zugleich offener Atmosphäre entstand ein lebendiger Austausch mit den Studierenden – musikalisch wie menschlich. Danach wurde kurz für das erste Konzert der Reise geprobt.

Parallel dazu trafen Vorstandsmitglieder Kurt Karst und ZHU Yabo mit dem Vize-Bürgermeister von Xianyang, um über zukünftige Kooperationen und gemeinsame Projekte im Bereich des deutsch-chinesischen Kulturaustauschs zu sprechen. Begleitet wurden sie von unserem Freund WANG Yubin aus der Freundschaftsgesellschaft Shaanxi. Am Abend folgte das Konzert an der Xi’an Universität – ein musikalischer und freundschaftlicher Höhepunkt des Tages. Das Publikum reagierte aufmerksam und herzlich, und schnell entwickelte sich eine besondere Konzertatmosphäre. Und wie es bei guten Konzerten manchmal passiert: Nach den geplanten Zugaben war noch nicht ganz Schluss. Als dritte Zugabe wurde spontan gemeinsam mit dem hiesigen Tenorprofessor ZHANG Hui „Nessun Dorma“ gesungen – ein kraftvoller, leicht augenzwinkernder Abschluss eines ohnehin schon gelungenen Abends. Oper geht eben immer.

Den Ausklang bildete ein gemeinsames Beisammensein mit alten und neuen Freunden wie ZHANG Fan, bei dem bei einem Glas Baijiu auf die deutsch-chinesische Freundschaft angestoßen wurde. Ein Tag voller Eindrücke – zwischen Geschichte, Austausch und Musik.

9.4. - Xianyang

Der 9. April begann früh am Morgen mit einer Fahrt ins nahegelegene Xianyang – die erste Hauptstadt des vereinten Chinas in der Qin-Dynastie.
Im Museum für immaterielles Kulturerbe gab es viel zu entdecken: Porzellankunst, traditionelle Qin-Oper, Scherenschnitt (sogar zum selbst Ausprobieren!) und viele weitere Ausdrucksformen wurden mit großem Interesse bestaunt.

Am Mittag folgte ein gemeinsames Essen mit der Vizepräsidentin FENG der Berufshochschule Xianyang. Aus den herzlichen Gesprächen entwickelte sich spontan eine Campus-Tour. Die rund 20.000 Studierenden und 1.045 Lehrenden lernen und arbeiten auf einem weitläufigen Gelände mit Sportanlagen, Cafés, kleinen Supermärkten und vielem mehr. Besonders in Erinnerung bleiben jedoch die Gemüsegärten und großzügigen Grünanlagen, die der gesamten Anlage eine überraschend ruhige und warme Atmosphäre verleihen.

Im Anschluss wurde es ganz praktisch: Ärztinnen, Ärzte und Studierende gaben einen Einblick in die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Akupunktur, Schröpfen, Massagen und weitere Anwendungen wurden nicht nur erklärt, sondern teilweise auch direkt demonstriert – ein intensiver und eindrucksvoller Perspektivwechsel. An dieser Stelle bedanken wir uns nochmal ganz herzlich bei allen Sprecherinnen der Führungen, den Kolleginnen und Kollegen der Xianyang Berufshochschule, dem Freundschaftsverein in Shaanxi, allen Offiziellen und unseren neuen Freunden!🤝

Am Nachmittag stand das zweite Konzert der Reise auf dem Programm – in einer Mehrzweckhalle des Campus. Nach einer kurzen Probe begann ein abwechslungsreicher Konzertabend: Ein Chor eröffnete festlich, eine renommierte Tanzgruppe von Studentinnen erzählte mit beeindruckender körperlicher Präzision ihre Geschichten, Solistinnen präsentierten deutsche und chinesische Werke, und eine international bekannte Banhu-Virtuosin aus Xianyang stellte ihr Instrument eindrucksvoll vor. Ergänzt wurde das Programm durch Mozartarien.

Den letzten Abend in Xi’an verbrachte die Gruppe schließlich in kleiner, aber umso herzlicherer Runde.


10.4. - Yulin

Am 10. April ging es mit dem Zug weiter in das oft als „Saudi-Arabien Chinas“ bezeichnete Yulin (Shaanxi) – eine Stadt, die insbesondere durch ihre erfolgreiche Wiederbewaldung der ehemaligen Sandwüste internationale Anerkennung erlangt hat: von 0,9 % auf rund 36 % Bewaldung. Nicht nur das angenehm milde Klima, sondern vor allem die große Dichte an immateriellem Kulturerbe und die nicht-kommerzialisierte Altstadt machen Yulin zu einem ganz besonderen Ort.

Unsere Delegation wurde herzlich von Herrn LI und Vizepräsidenten LU Qiang von der örtlichen Freundschaftsgesellschaft empfangen.

Im Anschluss an eine eindrucksvolle Privat-Performance des Instituts für Volkskunst und traditionelle Oper Yulin kam es zu einem Wiedersehen mit alten Freunden: Bereits 2019 war eine Musikergruppe aus Yulin in Deutschland zu Gast und konzertierte mit großem Erfolg – unter anderem im Kurfürstlichen Palais Trier, auf Schloss Engers sowie an weiteren Konzertorten.
Darauf folgte ein Empfang durch die Yulin Supplying and Marketing Group, bei dem lokale Spezialitäten präsentiert wurden. Die hochwertigen Bio-Produkte aus der Region – insbesondere Früchte und Getreide – hinterließen großen Eindruck und hätten sicherlich auch in Deutschland großes Potenzial.

Am Abend lud die Stadtregierung zu einem festlichen Bankett ein. Die traditionelle Küche Yulins mit ihren vielfältigen Aromen wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Spätestens bei der feierlichen Übergabe von Geschenken wurden bestehende und neue Freundschaften weiter gefestigt. Ein anschließender Spaziergang führte durch die historische Altstadt von Yulin. Sie ist bemerkenswert authentisch geblieben und wird vor allem von den Menschen vor Ort genutzt – mit kleinen Geschäften, Supermärkten, Werkstätten, Restaurants und Bars. Eine seltene Form von Urbanität, die nicht touristisch überformt ist.

In einer der Seitengassen befindet sich ein Künstlerhof, in dem Scherenschnitt, Porzellan- und Tonarbeiten, Holzschnitzerei und viele weitere traditionelle Handwerkskünste gepflegt und über Generationen weitergegeben werden.

Ein Tag voller neuer Eindrücke – zwischen Vergangenheit, Gegenwart und gelebter Kultur.

11.4. - Shimao

11.4. | Yulin
Aus dem „kleinen Städtchen“ Yulin kommen rund 10 % der Energie Chinas – so viel zu den lokalen Größenverhältnissen.

Der Tag begann früh mit der Fahrt zur Shimao-Ruine. Eine etwa 4.000 Jahre alte Hochkultur, deren Ausdehnung beeindruckt: rund 4 Millionen Quadratmeter – oder, auf deutsche Nachfrage hin: ungefähr 500 Fußballfelder. 🏟️ Im dazugehörigen Museum werden Entstehung und Kultur dieser Stadt hervorragend aufbereitet. Gleichzeitig merkt man schnell: Hier ist noch längst nicht alles entdeckt. Die Ausgrabungen haben erst vor wenigen Jahrzehnten begonnen.

Weiter ging es direkt vor die Kamera: Ein spontanes Interview für das Lokalfernsehen mit Kurt Karst und David Jakob Schläger – als Ehrenpräsident und Präsident der GDCF. Vor antiker Kulisse ging es um die Shimao-Anlage und unseren Besuch in Yulin.

Zum Mittagessen im Vorort Gao Jia Bu lud der Ortsbürgermeister ein. Wie so oft: großer Tisch, viele kleine Gerichte, viel Herzlichkeit. Gespräche zwischen Kultur, Zusammenarbeit und Alltag – in genau der richtigen Mischung. Nebenbei: Der Ort ist auch ein Treffpunkt für Kunstschaffende. In sogenannten „Künstlerhäusern“ können Malerinnen und Maler aus der ganzen Provinz wohnen und arbeiten – fast ein wenig wie ein chinesisches Pendant zum Herrenhaus Edenkoben.

Am Nachmittag ging es weiter in den Mahuangliang Löss-Geopark. Eine Landschaft, die sich kaum fotografisch einfangen lässt: weite Hügel, klare Linien, die Grenze zwischen Sandwüste und Lössplateau. Alles wirkt sehr ruhig und harmonisch. Vor lauter Staunen geriet der Zeitplan leicht ins Wanken.
Also: direkte Weiterfahrt zum Konzert im Yulin Vocational and Technical College. Ohne Anspielprobe trafen sich Qin-Opera, Tanz und Gesang aus Yulin und Mozart und Bellini erst auf der Bühne. Gemeinsam mit lokalen Musikerinnen und Musikern wurde die „Jasminblume“ spontan musiziert - „People to people“ eben!

Den Abschluss bildete ein gemeinsames Abendessen mit den beiden Freundschaftsgesellschaften. Viel Austausch, viel Lachen – und das Gefühl, dass aus Begegnungen langsam echte Beziehungen werden.

12.4. - Yulin ->

Der 12.4. stand ganz im Zeichen von alten Freunden – Abschied und Wiedersehen.

Am Morgen ging es ins Folksong Museum in Yulin. Ein beeindruckender Bau, der die Volksliedtradition Shaanxis lebendig erzählt. Und „lebendig“ ist hier wörtlich zu nehmen: An vielen Ecken begegnet man Künstlerinnen und Künstlern, die die Lieder direkt vor Ort singen. Selbst die Museumsführerin stimmt immer wieder Melodien an.

Dann ging es noch schnell hoch hinauf auf eine Festung an der chinesischen Mauer in Yulin. Weite Teile der Mauer sind hier nicht mehr vorhanden. Was aber bleibt, ist eine historische Festungsanlage mit einzigartigem Ausblick.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit unseren musizierenden Freunden – die bereits 2018 das erste Mal in RLP zu Gast waren – hieß es vorerst Abschied nehmen. Gegenbesuche sind bereits in Planung.

Anschließend: Flug nach Nanchang (mit kurzem Zwischenstopp, insgesamt ca. 4 Stunden). Mit der Ankunft änderte sich sofort die Atmosphäre: subtropisches Klima, satte grüne Landschaften und moderne Skylines. Für einige aus der Gruppe war es das erste Mal im Süden Chinas – entsprechend tief lagen die Kinnladen.

Empfangen wurden wir von unserer Freundin Lena (RAO Ye), die zuletzt im September 2025 in Rheinland-Pfalz und Hessen war. Ihre Herzlichkeit ließ den Flug sofort vergessen! Direkt weiter ging es zum Abendessen – und wie so oft in China blieb es nicht bei der geplanten Runde: Vier Überraschungsgäste kamen dazu. Alte Bekannte aus dem vergangenen September saßen plötzlich wieder mit am Tisch. Die Stimmung war sofort vertraut, fast ein bisschen nostalgisch. Gemeinsam wurde gegessen, getrunken und lange gesprochen.

Ein Spaziergang am Gan River rundete den Abend ab – ruhig, warm, ein sanfter Ausklang nach einem langen und zugleich sehr herzlichen Tag.


13.4. - Nanchang

13.4. | Nanchang

Der Morgen beginnt entspannt mit der Fahrt zum Meiling-Berg im Nanchanger Vorort Wanli. Auf dem Weg zur „Schweizer Seilbahn“ wird unser Präsident David kurzerhand für ein spontanes Fernseh-Interview abgefangen – scheint langsam zum festen Bestandteil der Reise zu werden. Auf dem 820 Meter hohen, dicht bewaldeten Gipfel erwarten uns Tempel- und Pavillonanlagen. Der Ausblick bleibt aufgrund des trüben Wetters der Fantasie überlassen – dafür werden viele Schritte gesammelt und viele Fotos gemacht.

Zurück im Hotel der Jiangxi Cultural Performance Group teilt sich die Gruppe kurz auf: Unser Pianist Franziskus Baum erkundet die Stadt mit einem ca. 30 km langen Lauf – Marathonvorbereitung auf internationalem Terrain.

Der Rest der Gruppe genießt eine Privat-Performance des Jiangxi Song and Dance Theatre. Im Mittelpunkt steht die Auswahl der Teilnehmenden für die Deutschlandreise in der zweiten Jahreshälfte 2026. Geplant ist diesmal eine Akrobatik-Gruppe als kulturelle Vertretung Jiangxis: Vom Balancieren schwerer Töpfe auf dem Kopf über bewegende Tanz-Geschichtenerzählung bis hin zu Einradakrobatik und Papierschirmbalance mit den Füßen – ein Programm, das das deutsche Publikum begeistern wird. Im Anschluss wird konkretisiert. In ausführlichen Gesprächen mit den Verantwortlichen – allen voran LIN Han (Parteiausschuss), YANG Xueqing (Künstlerische Generaldirektorin), RAO Ye Lena (JXFAP, JXPAFFC), HANG Xiaoguang (Senior Manager der Abteilung für künstlerische Entwicklung), FU Xiang (Vizemanager Jiangxi Song & Dance Theatre) und weiteren wird vieles freundschaftlich und detailliert besprochen. Die Planung für Deutschland nimmt Form an. Mehr dazu folgt. 🔜

Den Abschluss bildet ein gemeinsames Bankett der Jiangxi Arts & Performance Group. Die Gruppe wieder vereint, Gespräche vertieft, Verbindungen gestärkt.

14.4. - Nanchang

14.4. | Nanchang

Am 14.4. ging es zum Jiangxi Cultural Center. Nach der Besichtigung der großen Philharmonie-Bühne und der Opernbühne ging es direkt an die Proben.

Unser Freundschaftskonzert am frühen Nachmittag fand im Orchesterprobensaal statt. Eröffnet wurde der Nachmittag von Mitgliedern des Nanchang Symphony Orchestra – einem der vergleichsweise wenigen Berufsorchester Chinas – mit einem festlichen Blechbläserquintett. Der Geigenvirtuose YE Yiji, begleitet von CHEN Shuyi spielte mit Pathos und technischer Agilität das berühmte „Butterfly-Love/Liang Zhu“. Dann ging es an den Gesang: Die Ensemblemitglieder der Nanchang National Opera LE Saishan (Sopran) und WANG Jiaxin (Bariton) musizierten gemeinsam mit David Jakob Schläger (Tenor). Auf dem Programm standen u. a. Schuberts „Ständchen“, Mozarts „Der Hölle Rache“ und weitere Klassiker. Die traditionelle Sängerin LI Xinnuo sang malerisch die „Azaleenblüte“ - die Blume Nanchangs.🌹
Einen besonderen Höhepunkt bildete das gemeinsame Musizieren mit DU Huan (Künstlerischer Leiter des Song & Dance Theatre Jiangxi).

Bereits 2025 hatten David und Herr Du in der Villa Musica Mainz spontan zusammen musiziert – damals ohne Begleitung, sodass David kurzerhand den Klavierpart übernahm. Auch diesmal wurde nicht lange geplant: ohne Probe präsentierten die beiden zwei Stücke – eines auf Italienisch, eines auf Chinesisch – und das Publikum reagierte begeistert. Genau solche Momente des spontanen Musizierens und gegenseitigen Unterstützens machen unsere Vereinsarbeit aus: people to people.

Nach dem Konzert ging es weiter zur Jiangxi Open University (Volkshochschule). Rund 200.000 Teilnehmende nutzen hier die vielfältigen Angebote der Erwachsenen- und Seniorenbildung: Qi Gong, Kalligrafie, Kochkurse, Musikunterricht auf traditionellen und westlichen Instrumenten, Malerei, Sprachkurse und vieles mehr. Die Delegation durfte in zahlreiche Kurse hineinschnuppern – und wurde schließlich von einem ambitionierten Koch, der sich hier weiterbildet, auf überraschend hohem Niveau bekocht.

Der Abend klang in kleiner Runde ruhig und gesellig aus.

15.4. - Nanchang

15.4. | Nanchang

Am Mittwochmorgen ging es zur Universität Nanchang – eine der sogenannten „211“-Elite-Universitäten. Ein beeindruckender Campus, großzügig angelegt und voller Leben. Vor Ort traf die Delegation eine Gruppe des Helene-Lange-Gymnasiums Markgröningen, die im Rahmen des seit 20 Jahren bestehenden Austauschs mit einer chinesischen Mittelschule in Nanchang vor Ort war.
Gemeinsam ging es dann durch das Geschichtsmuseum der Universität, das die über 100-jährige Entwicklung gründlich dokumentiert.

Im Anschluss folgte eine vielseitige Präsentation verschiedener Tee-Zeremonien. Von Meditation und Besinnung bis hin zu kraftvollen Choreographien war alles dabei – und der Tee war vorzüglich.

Zum Mittagessen trennte sich die Gruppe aus Baden-Württemberg, während unsere Delegation auf Einladung der Universitätsleitung herzlichst empfangen wurde. Nach einer kurzen Verständigungsprobe für das Konzert am Abend blieb mehr Zeit als erwartet – und so ergab sich spontan noch ein kleiner offener Unterricht, in dem David drei Sängerinnen coachte.

Am Abend folgte das Konzert im voll besetzten Kandinsky-Saal. Unter den Gästen war auch Executive Vice President TU Anbo (JXAFFC), der zuvor zu einem hervorragenden Abendessen eingeladen hatte. Der Saal war spürbar getragen von einer freundschaftlichen Atmosphäre.

Eröffnet wurde der Abend durch drei Ansprachen, in denen auch Kurt Karst die Bedeutung des kulturellen Austauschs betonte – als Weg, einander besser zu verstehen und kennenzulernen. Fast schon traditionell eröffnete ein chinesischer Bariton mit einem deutschen Werk – eine eindrucksvolle Interpretation von Schuberts „Erlkönig“.
Es folgten zahlreiche Werke von Mozart sowie zum Abschluss gemeinsam gesungene chinesische Kunstlieder. Ein besonderer Höhepunkt war das berühmte Duett „Lippen schweigen“ – bei dem im Zwischenspiel Deutsche und Chinesinnen gemeinsam tanzten. Ein Moment, der zeigte, worum es hier eigentlich geht: Begegnung, die über Musik hinausgeht.

PS: Der Fagottist XIE Fancheng las von einem deutschen Kulturkonzert und kam spontan vorbei. Er und David haben zeitgleich in Mainz studiert - ohne damals von einander zu wissen. Wie klein die Welt doch ist!


16.4. - Ji'An

16.4. | Ji’An

Am Donnerstag ging es mit dem Schnellzug nach Ji’An – eine moderne Stadt mit über tausendjähriger Geschichte.

Der Vormittag stand im Zeichen der Bailuzhou-Akademie. Diese historische Inselakademie wurde bereits im 13. Jahrhundert gegründet und zählt zu den bedeutenden Bildungsstätten der Region.
Sie war ein Zentrum konfuzianischer Gelehrsamkeit, in dem klassische Texte studiert und Beamte ausgebildet wurden.
Bis heute spürt man dort den Geist von Bildung, Disziplin und innerer Sammlung. Nicht nur inhaltlich, sondern auch architektonisch ist diese Anlage eine Reise wert.

Nach dem Mittagessen mit den Stadtverwaltern von Ji’An ging es wieder an die Arbeit: In der Kunst- und Musikfakultät der Jinggangshan-Universität fand der letzte offene Kurs von David auf dieser Reise statt. Junge chinesische Talente präsentierten Werke wie „Addio del passato“, „Zueignung“ und „Hai già vinta la causa“. Besonders beeindruckend waren neben der stimmlichen Qualität auch die deutsche und italienische Aussprache – auf sehr hohem Niveau.

Im anschließenden Werkstattkonzert standen die jungen Musikerinnen und Musiker – ganz im Sinne unseres Austausches – gemeinsam auf der Bühne.

17.4. - Longnan

17.4. | Ji’An → Longnan / Nanchang → Beijing → Frankfurt

Der Tag begann in Pack-Stimmung: Viele Geschenke mussten verstaut werden – ein schöner „Tauschhandel“ der Erinnerungen. Weiterreise war das Motto. Doch auch ein Reisetag in China bleibt nicht ohne Programm:

Am Morgen ging es in ein Dorf im Landkreis Ji’An – bekannt für seine traditionellen Keramiköfen. Raus aus der Stadt, hinein in eine fast idyllische Welt: ein Dorf aus der Song-Dynastie mit charakteristischen Bauten und besonderer Atmosphäre. Dann wurde es praktisch – drei Stationen rund um das Thema Tee:

1. Töpfern Auf kleinen Hockern sitzend entstanden mit viel Konzentration und noch mehr Humor Tassen, Vasen und allerlei kreative Formen. Die Profis gaben geduldig Anleitung – der Austausch lief bestens.

2. Bemalen Im nächsten Schritt wurden Tassen bemalt – von klassischen Motiven bis zum Mainz-05-Logo war alles dabei. Die ungebrannten Stücke durften als Erinnerung mitgenommen werden.

3. Teezeremonie Zum Abschluss endlich Tee – aber auf besondere Weise: Teepulver wurde aufgeschäumt und anschließend kunstvoll verziert. Bewertet wurden Schaumdichte, Farbe, Gestaltung und Geschmack – mit viel Engagement einem diplomatischen Ergebnis: alle gewinnen.

Nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen teilte sich die Delegation am Bahnhof: Kurt Karst, ZHU Yabo und RAO Ye (Lena) reisten weiter nach Longnan. Franziskus Baum, Paul Hielscher und David Jakob Schläger flogen zurück nach Frankfurt.

17.4. | Longnan In Longnan stand die Besichtigung des „Zentrums für Digitale und Intelligente Stadt“ auf dem Programm.
Beim Treffen mit YANG Chunjing (Exekutiver Vizebürgermeister) wurde die umfassende Digitalisierung der Verwaltung erläutert. In einem zentralen Gebäude sind zahlreiche Bereiche gebündelt – von Meldeamt bis Unternehmensgründung. Über eine App werden Anliegen direkt durch die zuständigen Abteilungen geführt.
Das Ergebnis: kurze Wege und hohe Effizienz. So kann etwa die Anmeldung eines Gewerbes innerhalb von vier Stunden erfolgen – bei gleichzeitig reduziertem Personalaufwand.

Ein beeindruckendes Pilotprojekt, das auch für Deutschland interessante Impulse liefern könnte.

18.4. - Hakka

18.4. | Longnan – Hakka-Tag

Der Tag begann mit einem reich gedeckten Frühstückstisch – eine gute Grundlage für einen intensiven „Hakka-Tag“ in Longnan. Die Hakka („Gastfamilien“) gehören zu den acht han-chinesischen Gruppen – keine Minderheit, aber mit eigener Sprache und ausgeprägter kultureller Identität. Zunächst besuchten wir die Guanxi-Häuser in quadratischer Bauform. (In der rheinland-pfälzischen Partnerprovinz Fujian finden sich die bekannten Rundhäuser der Hakka mit ähnlicher Grundstruktur.)

Im Anschluss ging es in das internationale Hakka-Veranstaltungszentrum, ein Kulturviertel für Hakka-Traditionen, errichtet für den Weltkongress 2023. Der Kontrast von Tradition und Moderne – in Architektur und Präsentation – ist beeindruckend. Wer Jiangxi und Longnan besucht, sollte diesen Ort unbedingt einplanen.

Am Nachmittag führte uns der Weg ins Dorf Taiping Yangcun. Besonders die Altstadt von Taiping besticht durch ihren Charme: Hakka-Häuser mit lebendigen Innenhöfen, in denen gewohnt, gekocht und verkauft wird. Und: Begegnungen gehören dazu – in diesem Fall mit Steve aus Amerika, der einzigen weiteren „Langnase“, mit der man spontan auf die Freundschaft anstoßen konnte.

Zum Abschluss des Tages besuchten wir eine Hakka-Aufführung in einem der zahlreichen Hakka-Häuser der Region. Dort trafen wir auch drei Künstler wieder, die bereits im September 2025 in Wiesbaden zu Gast waren.
Die Aufführung selbst war besonders: eine Hakka-Oper an drei Spielorten – auf dem Wasser, auf einem Dach und auf einer großen Open-Air-Bühne. Das Publikum bewegte sich mit – ein eindrucksvolles Erlebnis.

Der Tag endete mit einem gemeinsamen Umtrunk mit den Künstlern.

China gelingt es, Moderne auf Tradition aufzubauen – und diese gleichzeitig lebendig zu bewahren. Oder, mit August Bebel: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“